
Als ein – etwas anderes – Mediendesignstudium werden im Rahmen intermedialer Designentwicklungen nicht nur Medien als Werkzeuge und Ausdrucksmittel genutzt, sondern als solche auch neu konzipiert und – jedenfalls prototypisch – entwickelt. Hierbei sind insbesondere solche Medienentwicklungen von Interesse, mit denen sich “grenzüberschreitende Anwendungen” im weitesten Sinne dieses Wortes auf den Weg bringen lassen. Bei dem hier vorgestellten Projekt handelt es sich um ein audiovisuelles Mehrkanalsystem, mit dem sich die Medien im Raum verteilen können, oder besser: mit dem sich neue, begehbare Räume gestalten lassen. Auf dieser Grundlage sind viele Anwendungen denkbar: In Kunst und Kultur, im Umfeld der Messe- und Eventkommunikation.
Das Multiscreening-Verfahren, kurz: der Multiscreener wurde im Rahmen verschiedener Ausstellungsprojekte (”Cybergärten und wirkliches Grün”, 2005; “Intermediale 07: neuSehland-Labor der Blicke”, beide in der Europäischen Kunstakademie Trier) Schritt für Schritt weiter entwickelt, um bis zu 16 computergestützte Ausgabemedien punktsynchron bespielen zu können. Multimedialität als zeitlich präzise aufeinander abgestimmte Kombination von Bildern, Bewegtbildern, Tönen aber auch interaktiven Medien, die auf frei wählbaren Ausgabemedien in Erscheinung treten können, gestattet es, mediale Raum-Zeit-Architekturen bzw. Raum-Zeit-Dramaturgien zu entwerfen und zu realisieren, die von den Besuchern und Rezipienten betreten werden können.
Das Eintreten in den realen, zeitlich und audiovisuell beherrschbaren medialen Raum eröffnet die Möglichkeit, vielfältige Aspekte und Sinnesreize zu ganzheitlichen Wahrnehmungserfahrungen und Erlebniswelten zusammenzuschließen. Dieses audiovisuelle Mehrkanalsystem ermöglicht auch Interdependenzen und gegenseitige Beeinflussungen von Medienereignissen, die auf die jeweils verfügbaren Spuren verteilt worden sind. In solchen medialen Interaktionen gewinnt die Vision autonom agierender, raumgreifender Medienarchitekturen und komplexer Mediensysteme erste ablesbare Konturen. Die Anschlussfähigkeit dieser Softwareentwicklung an das Internet eröffnet unter dem Vorzeichen von Transfer und Integration interessante Spielräume für die Inszenierung grenzüberschreitender und dabei zugleich lokalisierbarer Medienereignisse.
Die Multiprojektionstechnologie wurde auch für die Installation ‘Lichtung’ eingesetzt: Vier Projektoren und fünf Rechner inszinierten in der halbrunden Fensterfassade des Trierer Cafe Lübke über mehrere Wochen eine Panoramaprojektion mit experimentellen Bildwelten, die eigens für diesen Ort erstellt wurden. Das Filmmaterial aus 1 228 800 Pixeln wurde so zurecht gezerrt, dass es sich nahtlos in die gekrümmte Projektionsfläche einfügt. Die bereits in dem Cafe integrierten Stützpfeiler wurden genutzt, um eine 20m Bahn aus matter Rückprojektionsfolie über eine Stahlstrippe aufzuziehen. Tagsüber bildete die Projektionsfläche einen angenehmen Sonnenschutz mit der organischen Anmutung einer zweiten Haut. In der Gallerie finden Sie eine Videodokumentation der Installation.
Zu den Homepages der Designer: Hilario Regueiro-Lopez und Lars Becker.









